Gulla vom Steinbuckel

 

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Vor etwas über einem Jahr lernten wir Gulla kennen. Sie kam von Rothenberg an den Hof, da sie mit damals fast sechs Jahren nun eingeritten werden sollte. Von Anfang an fiel sie uns direkt auf, die kleine hübsche, braune Stute. So ergab es sich, dass wir mit ihr arbeiten durften – und sie gleich ins Herz schlossen. Stets mit Eifer und viel Motivation bei der Sache, lernte sie schnell die Grundlektionen der Bodenarbeit – und wir, noch recht unerfahren in der Arbeit mit Jungpferden, lernten ebenfalls einiges mit und von ihr. Für Gulla war die größte die Herausforderung das Alleinsein: Auf dem Weg von der Koppel zum Hof und umgekehrt wurden wir regelmäßig von lautem Gewieher begleitet. Doch bald lernte sie uns zu vertrauen und fand auch durchaus einen Spaziergang im Wald sehr spannend – und irgendwann sogar entspannend. Wie sich schnell zeigte, waren Wald und Wiesen sowieso ihr liebster Aufenthaltsort, eine Art riesiger Abenteuerspielplatz, auf dem es immer etwas zu entdecken gab (von wem sie das wohl nur haben kann?). Aus diesem Grund nahmen wir sie, sobald sie einen Sattel kennen gelernt hatte, häufig als Handpferd mit ins Gelände. Von Beginn an stiefelte sie mutig, neugierig und mit großer Freude durch die Güttersbacher Wälder, zunächst meist mit Lodinn an der Seite. Der hatte allerdings nach einiger Zeit die Nase voll von dem jungen Gemüse und biss Gulla gelegentlich mal in die Nase – was das kleine Mädchen nicht sonderlich störte. Die Arbeit in der Halle durfte natürlich nicht gänzlich fehlen (dafür war dann eher Lena zuständig ^^), doch auch hier strengte sie sich mächtig an. Auch wenn Alrún und Lilja manchmal eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf sie zu haben schienen. Ihre freundliche, frische und manchmal freche Art (Besen fressen, Eimer umwerfen und gucken, ob der Mensch ihn auch zum zehnten Mal wieder aufstellt, Mistboy hochheben, den Schorsch anfressen oder gar den Schlüssel rumdrehen, Úa zum Spielen animieren, uvm.) machte uns immer wieder Freude. Unser kleines Mädchen war zwar nun nicht mehr so klein und sogar mutig und tapfer genug, um die gesamte Schulpferdeherde auf dem Winterurlaubsritt nach Rothenberg und auch wieder zurück anzuführen – worauf sie sichtlich stolz war. Wir lernten das kleine Ding immer besser kennen und sie uns. Das passte einfach. Gingen wir auf die Koppel oder ins Paddock, hob sich sogleich der Kopf und sie kam zu uns, sofern sie nicht gerade mal wieder mit Schlafen beschäftigt war – eine ihrer allerliebsten Lieblingsbeschäftigungen! Doch meist war sie sofort zur Stelle, um mit Úa eine Möhre zu teilen und bereit, die große weite Welt zu erkunden. Die leichte Arroganz, die sie manchmal an den Tag legte, haben wir uns wohl selbst zuzuschreiben: sie hörte uns mindestens zwanzigmal täglich sagen, wie hübsch und toll sie doch ist. Und das war sie wirklich und wird es auch immer bleiben. Gulla, „die Goldige“, machte ihrem Namen sowohl durch ihr in der Sonne golden glänzendes Fell als auch durch ihren Charakter alle Ehre. Nun ist sie, viel zu jung, am 13. März über die Regenbogenbrücke gegangen, wo sie hoffentlich auf den größten Wiesen und in den schönsten Wäldern frei sein kann. In unseren Herzen – und auch in den Herzen von Roka und Birna – wird sie immer bleiben. Wir vermissen sie, unsere Gulla – unser kleines Mädchen.

In Liebe,

Lena und Steffen


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